Author Archive » Lukas Glaser

Das Ge(h)ampel um die Ampel

Das Ge(h)ampel ist ein Sinnbild des Kommunikationsdefizits in Zeiten von Corona.
Steigende Infektionszahlen und Verschiebungen in der Altersstruktur können als Kurve der Unvernunft interpretiert werden. Das Bedürfnis nach Party und Spaßvergnügen ist psychologisch erklärbar. Das Appellieren an Vernunft und Hausverstand trifft offensichtlich auf Unverständnis. Die Übernahme von Verantwortung ist gerade jetzt dringend notwendig.
Gute Kommunikation schafft Aufklärung und Verständnis.
Fakt ist: Aus Kommunikations-Sicht steht die Ampel auf Rot!

Sprich Klartext mit mir

Soeben von intensiven Kommunikations-Trainings mit Gesundheitsfachkräften in der Steiermark nach Hause gekommen.
Egal, wo ich bin; egal, wen ich trainiere, sehe ich: KEIN Kommunikations-Ergebnis OHNE Vertrauen!
 
Heißt konkret: Verständlichkeit ermöglichen braucht Verständnis als Basis. Will man also als Sender einer Botschaft verständlich kommunizieren, muss man Verständnis vermitteln, damit der Empfänger der Botschaft den Inhalt auch annehmen kann.
 
Und damit schließt sich für mich der Kreis von der Medizin zur Politik. Für Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und Sebastian Kurz gilt: Wer sein Kommunikations-Ziel bei Patienten und in der Öffentlichkeit erreichen will, muss Vertrauen schaffen. Das Corona-Virus zwingt uns in Sachen Kommunikation zum Klartext.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

„Click It or Ticket“ war die erfolgreichste Gesundheits-Kampagne aller Zeiten. Ziel war, die Gurten-Disziplin amerikanischer Autofahrer zu steigern. Die einfache, weil greifbare Botschaft erreichte 17 Prozent der Zielgruppe. Bescheidenes Ergebnis? Nein. Bestehende Verhaltensmuster zu ändern, ist die schwierigste Herausforderung überhaupt. Maximal zehn Prozent der Zielgruppe sprechen darauf an. Allerdings: Ein kleiner Kampagneneffekt auf den Einzelnen, bedeutet einen großen Schritt für die Gesundheit aller! Was ich dazu brauche? 1. Eine sexy Message 2. Realistische Ziele 3. Eine Ansage, verbunden mit gesetzlichen Strafsanktionen. Was heißt das, umgelegt auf explodierende Infektionszahlen und immer mehr Corona-Verweigerer?
Hört auf mit den Negativ-Bildern von überfüllten Intensivstationen und kaputten Lungen! Sprecht die Jungen – und sie sind die Superspreader der Welle 2 – mit einer Botschaft zum Anfühlen an: „Corona hat etwas mit MIR zu tun!“ Und für diejenigen, die darauf beharren, dass sie nicht wissen, was sie tun: Check It or Ticket!

Foto: pixabay / nur zur redaktionellen Verwendung

Emotionales Ampelchaos

In meinen Trainings erlebe ich gerade die Emotionalisierung der Medizin.
Behördliche Regelungen werden zum Auslöser für emotionale Tsunamis. Wer kommuniziert den betroffenen Patienten die aktuellen Ampel-Maßnahmen und deren Notwendigkeit? Gesundheitsfachkräfte und MitarbeiterInnen diverser Einrichtungen müssen als Bollwerk Patienten und Angehörigen Rede und Antwort stehen. Was dagegen hilft? Vertrauen ist der Schlüssel.
 
Effektive Kommunikation schafft Vertrauen!
 
 

Arzt-Patienten-Gespräch: Worauf es jetzt ankommt

Gesundheitskommunikation. Die wichtigsten Tipps einer Trainerin

(Von Ernst Mauritz)

Masken für Patienten und alle Mitarbeiter, Abstand, Plexiglas, nur eine Person am Tisch: Realität in einer Reha-Einrichtung, in der die Spezialistin für Kommunikation im Gesundheitswesen, Britta Blumencron, kürzlich ein Training für das Personal organisiert hat: „Die Herausforderungen sind enorm – für die Gesundheitsberufe genauso wie für die Patienten.“

Eine Beziehung herstellen und Vertrauen beim Patienten schaffen – das ist mit Maske viel schwieriger: „Hinzu kommt, dass viele Patienten durch die Pandemie verängstigt sind. Und Angst  erzeugt Sprachlosigkeit.“
Wie ein medizinischer Inhalt beim anderen ankommt, hängt zu mehr als 90 Prozent von der nonverbalen Kommunikation ab – dem Gesichtsausdruck, der Körpersprache, dem Tonfall der Stimme. „Mit der Maske fällt ein großer Teil davon weg. Natürlich bleibt der Augenkontakt, aber diesen zu deuten, ein Gesicht zu lesen, wird  deutlich schwieriger.“
Ärzten und Pflegepersonal rät Blumencron trotzdem, jetzt besonders auf Augenkontakt und die Haltung der Hände zu achten: „Häufiger Blickkontakt vermittelt Empathie. Und die Kommunikation über die Hände bekommt jetzt eine noch größere Bedeutung. Geschlossene, verschränkte Arme treten  stärker in den  Vordergrund und werden schneller als Ablehnung empfunden:  Mit offenen Händen kann man aber einen Teil der negativen Auswirkungen der  Maske auf ein Arzt-Patienten-Gespräch ausgleichen.“
Rund die Hälfte der Bevölkerung habe schon in Nicht-Krisenzeiten Probleme, Gesundheitsinformationen zu verstehen, ergaben Untersuchungen in Österreich. Und in Spitälern gehen zwei Drittel aller Zwischenfälle auf Kommunikationsfehler zurück: „Langsames, deutliches Sprechen und eine einfache Sprache sind in einer Krise und unter einer Maske entscheidend.“
Ein wichtiger  Tipp Blumencrons für Patienten ist, unbedingt  die „drei Fragen für meine Gesundheit“ zu stellen: „1. Was habe ich, was ist mein wichtigstes Gesundheitsproblem? 2. Was kann ich dagegen tun? 3. Warum soll ich das tun?“ Dies können Gesprächsqualität und Behandlungsergebnisse verbessern: „Und man fühlt sich sicherer, nichts Wichtiges vergessen zu haben.“

Quelle: https://kurier.at/wissen/gesundheit/arzt-patienten-gespraech-mit-maske-worauf-es-dabei-ankommt/400926779