Yearly Archive » 2021

Gatekeeper

Effektive Kommunikation für die ärztliche Praxis am Beispiel „Impfskeptiker*innen“

Die Gründe, warum sich viele Österreicher nicht gegen das Coronavirus impfen lassen, sind vielfältig.
Mit den persönlichen Motiven für eine Impfskepsis explodiert gerade der Kommunikationsbedarf in der ärztlichen Praxis. Über ihre Rolle als Gatekeeper in der Impf-Kommunikation habe ich mit vielen Ärzten gesprochen. Samt live Demo, was eine gute Gesprächsführung für beide Seiten – Patient und Arzt – Positives bewirken kann. Brücken schlagen statt Polarisierung. Ich liebe meinen Job!!  

Schreckgespenst Patienten-Triage

Tatsächlich werden in unseren Notaufnahmen tagtäglich Patienten nach Dringlichkeitsstufen triagiert. In drei Minuten Erstgespräch muss die Einschaetzung erfolgen.

Schreckgespenst Patienten-Triage. Viele Menschen glauben, dass es sich bei der Triage um eine
Entscheidung zwischen Leben und Tod handelt, sprich, welcher Patient noch eine medizinische
Behandlung bekommt und welcher nicht. Tatsächlich aber werden Menschen in unseren
Notaufnahmen tagtäglich nach Dringlichkeitsstufen triagiert. Ein Routineprozess und die
Ersteinschätzung machen die Pflegekräfte.
Was schätzen Sie, wieviel Zeit eine Pflegekraft für das Erstgespräch mit dem Patienten hat?
Durchschnittlich drei Minuten. Danach muss sie entscheiden, wie rasch der Patient in der
Notaufnahme behandelt wird. Wird er in der Dringlichkeit nach hinten gereiht, sind 90 Minuten
Wartezeit normal.
Die Triage ist ein wichtiges Werkzeug in der Notaufnahme. Der Druck, dem Pflege und Patienten hier
gleichermaßen ausgesetzt sind, ist enorm. Ein Fehler in der Kommunikation kann fatale Folgen in der
Einschätzung haben. Diese Woche habe ich live mit Pflegekräften aus fünf Wiener Krankenhäusern
erleben dürfen, was die richtigen Fragen und passenden Worte in nur drei Minuten Gesprächszeit
bewirken können.

Bittere Pillen

Warum verbale Polarisierung jetzt das falsche Rezept ist.

Was waren bis vor Kurzem die wichtigsten Corona Worte?

“Inzidenz” und “Herdenimmunität”.
Von beiden Begriffen verabschieden wir uns gerade, weil das medizinische Wissen die Politik überholt hat.

Welche Sprache setzt die Politik jetzt ein, um Ungeimpfte zu motivieren? Verbale Polarisierung als bittere Pillen.

„Für jeden, der geimpft ist, ist die Pandemie vorbei”, so der Kanzler. Heißt im Umkehrschluss: Für den Rest wird es jetzt richtig hart.

Ist die Strategie der Polarisierung aus Sicht der Gesundheitskommunikation richtig?

Klare Antwort: Nein!

Die Pandemie bedeutet für Menschen ein großes Gefühl der Unsicherheit. Gesundheitlich und wirtschaftlich.

Was es in Zeiten der Pandemie daher dringend braucht: Vertrauen schaffen! Das setzt voraus, dass die Politik auch den Mut hat, Ungewissheit auszusprechen. Konkret: Dass sie den Mut zur Lücke hat. Es ist Faktum, dass wir aktuell die einzelnen Teile des Corona-Puzzles nicht kennen. Wichtige Puzzle-Steine fehlen noch, um Gewissheit zu haben, was die Lösung gegen das Virus ist.
In dieser Phase der Krisenkommunikation gilt es zu erklären, statt zu polarisieren. Wie? Mit wohnortnahen  Angeboten. Und mit guter Gesundheitsinformation über das, was man aktuell weiß und eben nicht weiß.

Nur gut informierte Menschen können Entscheidungen im Sinne ihrer Gesundheit treffen. Das nennt man Gesundheitskompetenz. 56 Prozent der Österreicher haben laut einer Studie eine schlechte Gesundheitskompetenz. Sie ist ein noch fehlendes Stück im Corona-Puzzle. 
Mit Polarisierungs-Pillen schadet man im Gesundheitsbereich mehr, als sie der Bevölkerung nützen.

Ich ziehe meinen Hut vor den Pflegekräften dieses Landes!

Ich ziehe meinen Hut vor den Pflegekräften dieses Landes! Heute als Vortagende bei der OeGHO- & AHOP Frühjahrstagung. Das war mein Titel: ,,Pandemie, Emotionie & Krise:
Wie das Coronavirus unsere Kommunikation verändert.“